WappenMarkt Lauterhofen

Lauterhofen

Lutrahahof 806 - Lauterhofen 2006

von Roland Braun

Nach dem Bericht des Geschichtsschreibers Aventinus wird Lauterhofen erstmals im Jahre 725 nach Christus genannt. Dabei geschieht das in Zusammenhang mit der Unterwerfung der Bayern durch die Franken unter der Führung ihres Hausmeiers Karl Martell. Aus dem Jahre 806 kennen wir eine weitere wichtige Erwähnung. Es handelt sich dabei um die "Divisio regnorum " - die Reichsteilung von Kaiser Karl dem Großen, dem Enkel Karl Martells. Es ist sein Testament und regelt die Übertragung des Reiches an seine drei Söhne. Nach germanischer Sitte war es nämlich üblich das Erbe unter allen Söhne aufzuteilen. Diese Urkunde wurde am 6. Februar 806 in Diedenhofen an der Mosel, dem heutigen Thionville im Elsass, in lateinischer Sprache abgefasst und als Kopie auch an Papst Leo III. gesandt. Sie entstand zu der Zeit, als Karl zwei Feldzüge gegen Böhmen (805 und 806) führte und sich der strategischen Lage und Bedeutung Lauterhofens bewusst war. Noch heute sind Abschriften dieser Dokumente, im Archiv des Vatikans und im British Library in London erhalten. Es handelt sich dabei um ein Schreiben, in dem nach einer Einleitung noch 20 Kapitel abgehandelt werden.

Im Kapitel 2 werden sowohl Lauterhofen als auch der Nordgau als Luthrahahof und Northgowe genannt. Dort wird auch festgestellt, dass Lauterhofen zum Nordgau gehört. Im Kapitel 3 wird die Übertragung des Nordgaus geregelt.

Hier die Wiedergabe der Kapitel 2 und 3 dieser Urkunde:

2. Italien, das man auch Lombardei nennt, und Bayern wie Tassilo es besessen hat, außer den beiden Höfen namens Ingolstadt und Lauterhofen, die wir früher Tassilo zum Lehen gegeben haben und die zum Nordgau gehören, und der Teil von Alamanien, der auf dem südlichen Donauufer gelegen ist , dann verläuft die Grenze von der Donauquelle bis zum Rhein in der Nähe des Schlettgaues und Hegaus an dem Ort Enge, und dann rheinaufwärts bis zu den Alpen, - alles, was innerhalb dieser Grenzen gelegen ist und nach Süden und Osten schaut, der Dukat Chur und der Durgau, soll Pippin, unserem geliebten Sohne, gehören.

3. Was aber von unserem Reiche außerhalb der genannten Grenzen liegt, das ist Franzien und Burgund, außer dem Teil, den wir Ludwig zugewiesen haben, und Alamannien, außer dem Teil, den wir Pippin zugeschrieben haben, Austrien, Neustrien, Thüringen, Sachsen, Friesland und den Teil von Bayern, den man Nordgau nennt, überlassen wir unserem geliebten Sohne Karl mit der Maßgabe, dass Karl und Ludwig eine Verbindung mit Italien haben, um notfalls ihrem Bruder Hilfe bringen zu können, und zwar Karl durch das Tal von Aosta, das zu seinem Reiche gehört, Ludwig durch das Tal der Susa, während Pippin seinerseits Eingang und Ausgang durch die Norischen Alpen und Chur besitzt.

Im Kapitel 1 wurde beschrieben, dass Ludwig der jüngste Sohn, seinen Anteil im Westen des Reiches erhalten sollte. Aber bereits 810 verstarb Sohn Pippin und 811 auch noch Sohn Karl. Als Karl der Große im Jahr 814 starb lebte also nur noch einer seiner erbberechtigten Söhne. Deshalb wurde Ludwig, der später den Beinamen der Fromme erhielt, Alleinerbe des gesamten Fränkischen Reiches.

Das so sorgsam abgefasste Testament ist damit unwirksam geworden und wie viele andere Abkommen auch, im Mülleimer der Geschichte gelandet. Aber für uns ist es ein wichtiges Dokument, weil es die herausgehobene Stellung Lauterhofens und seine Bedeutung als Königshof während des frühen Mittelalters unterstreicht. Namhafte Wissenschaftler halten das Gebiet um Lauterhofen für den Ur-Nordgau. Später hat sich der Nordgau weiter nach Osten, sogar das Egerland einschließend, vergrößert. Aus dem Nordgau wurde später die Oberpfalz. Heute erinnern nur noch die jährlich stattfindenden Nordgautage an diese alte Bezeichnung.

Hier können Sie diesen Artikel als pdf downloaden.

Quellen:
Gerhard Schmitz: (Internet) Quellensammlung zur Vorlesung WS 97/98
dort Übersetzung von W. Lautemann: Mittelalter 3. Aufl. 1989
Hellwig/Linne: Daten der Weltgeschichte
K. Romstöck: Vom Nordgau zur Oberpfalz Band 1 S.50

Webentwicklung: Gabriele Krieger